Mittwoch, 4. Dezember 2024

Beladen wie der Weihnachtsmann

 Yesterday was heavy.

Put it down.

(Instagramspruch

3.12.2024)


Eine Honigkuchenweihnachtsgeschichte 2024

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Marina wartete auf Sonita. "Die Busse fahren nicht", schrieb die junge Frau. Heute war Montag und das Haus bedurfte einer Reinigung. Sonita hatte sich angekündigt. Mittlerweile war die querschnittsgelähmte Frau gut organisiert und nicht mehr völlig hilflos, wenn Hilfen und Assistenz nicht kamen.

"Wie wird es werden?", Marina schaute den ersten leisen Schneeflocken draußen zu. Sie saß an ihrem Küchentisch und las. "Wenn ich mal gar keine Kraft mehr haben werde?". Ihre Schmerzen waren ärger geworden. Vor allem in den Waden. Offene Fenster und Türen schafften bei mangelnder Bewegung Pein trotz Schmerzmittel.

Heute war sie gut mit Medikamenten eingestellt. Gegen 10 Uhr hatte die Frau mit Behinderung geduscht und sich schick zurecht gemacht, es würde ein guter Tag werden. Das spürte sie. Für einen ihrer Liebsten brauchte sie noch ein Geburtstagsgeschenk.

"Ich mach dir einen Vorschlag". Sonita hörte am Telefon zu. "Ich komm dich abholen und dann fahren wir einkaufen. Dann haben wir wenigstens noch etwas Produktives geleistet." Mit Sonita war Marina noch nie in einer Shopping Mall. "Nicht in die Stadt. Da ist es für mich zu kalt" In der Shoppingmall war alles an Ort und Stelle und Marina kannte sich aus.

Marina fuhr in die Stadt und holte Sonita von ihrem Zuhause ab. Sonita war einverstanden. Wie sie Marina kannte, würde sie heute auch nicht leerausgehen. Schließlich machte sie im Haushalt normalerweise Verhinderungspflege. Heute war auch für sie Neuland. Sie war wie immer schick gekleidet. In ihren jungen Jahren legte sie viel Wert auf ihr Äußeres und überraschte die Carpentiers öfters auch im Winter mit bauchfreien Oberteilen, neu geflochtenen Haaren mit Perlenschmuck, schicken Schuhen und Handtaschen. Sonita konnte gut wirtschaften. Ansonsten studierte sie im dualen Studium im benachbarten Frankreich und in Saarbrücken.

Es war schon fast dunkel, als sie die Mall erreichten. Sonita hob den Rollstuhl aus dem Kofferraum und Marina klappte ihn an der Fahrertür auf und setzte sich. "Willst Du noch den Korb von hinten?" "Wir nehmen meine große Handtasche und zwei der dünnen Stofftaschen. Das wird reichen." Marina schaute auf die Uhr. 

Zuerst in die Buchhandlung. Marina hielt Ausschau nach Reiseführern. Nach Japan sollte ihre Reise im nächsten Sommer hingehen. Dann in die Parfümerie. Der Gutschein von 30 %", der aktuell noch gültig war, sollte sich lohnen. Hatte sie doch auf einen Deal am Flughafen  auf einer ihrer Reisen in diesem Jahr auf Parfüm verzichtet. Sie brauchte es nicht unbedingt, es war gar nicht so leicht zu transportieren, teuer und es gab keinen Geschenkanlass. In ihrer Shoppingmall griff sie zu und ließ weihnachtliches Papier drum herumpacken. Lippenstift und Duftkerze gabs inklusive. Im Brillengeschäft wurde man nicht fündig. 




"Willst Du einen Tee trinken oder lieber weitershoppen?", fragte Marina mit Blick auf das Eiscafe. Am Tisch war Sonita etwas wählerisch. So kannte Marina sie, wenn sie denn mal gemeinsam auswärts essen waren. So war es immer gewesen. "Wie heißt das Ding mit Creme und drunter einer Schicht Teig?" fragte Sonita sie. "Du meinst Tiramisu" "Ja, das." Marina nippte längst an ihrem Kräutertee. Der Kellner kam wieder. "Sie hat sich entschieden..." leitete Marina die Bestellung ein. "Rigatoni", kam es wie aus der Pistole geschossen. Lachen verbreitete sich am Tisch. Sonita hatte da was verwechselt. Und sie hatte einen unverwechselbaren Charme dazu. Okay also doch lieber echtes Tiramisu mit einem Erdbeershake. Zeit für Gespräche, fürs Innehalten beinahe am Ende des Jahres. Sonita war für ihr Alter unheimlich intelligent und lebenserfahren. Sie machte manchmal Vorschläge, weil sie mitdachte. Bei Marina lernte sie auch mal, einstecken, wenn sie nicht führen konnte. Irgendwann stellten sie Gemeinsamkeiten fest. Im chinesischen Horoskop waren beide Drachen. Ein starkes Zeichen.



Schnell noch Frischwaren im Supermarkt und einen kleinen Weihnachtsstern im Blumengeschäft ergattern.  Sonita hatte mittlerweile den Autoschlüssel gar nicht mehr an Marina zurückgegeben, so oft lief sie ans Auto um Abzuladen. "Wir treffen uns am Drogeriemarkt" Das war zwanzig Minuten vor Schluß die letzte Station. Die Mall schloß 20.00 Uhr.

Marina fuhr schon in den Laden und suchte sich ihren Lieblingsjoghurt aus. Es waren noch ein paar Becher auf der Palette, die sie rauszog und auf ihren Schoß stellte. Immer wieder sah sie zum Eingang. Sie wollte Sonita nicht verpassen. Sie harmonierten unendlich gut beim Einkaufen. Da war kein Zuviel und kein Zuwenig, nachdem Marina länger nicht mehr selbst beim Shoppen gewesen war. Und das war ja auch wichtig. Gute Einkaufserlebnisse waren besondere Momente.

"Ich muss Vitamine kaufen...""'Alles was geht,' hat mir die Ärztin gesagt, nachdem sie Ergebnisse meines großes Blutbilds gesehen hat."; erklärte Marina im Gang mit Blick auf unzählige kleine Verpackungen. Endlich war mal etwas Zeit dafür. Was nehmen? Manches waren Kombipackungen und die Vitamine in mehreren Packungen enthalten. Man brauchte etwas Zeit, auch wenn Marina schon schnell war beim Entscheiden. Sonita, die keine Tasche mehr frei hatte, nahm alles in die Hände, auch den Joghurt, damit Marina frei war zu gucken, zu überlegen und die Packung im Vitaminregal in die Hand zu nehmen. Entschieden war entschieden. "Ich brauch noch Bilderrahmen und Zahnpasta." Kurz vor acht. Marina beeilte sich bei der Auswahl. Bilderrahmen mit schönen Bildern kamen bei Älteren immer gut an. Sonita nahm sie ihr ab. 

Und dann passierte es, als sich Marina über die Zahnpasta beugte und gerade bemerkte, dass eine ihrer Zahnpastatuben von öko-test mit "sehr gut" bewertet worden war. Sie wollte hocherfreut vergleichen.

"Nehmen Sie doch meinen Einkaufskorb". Der fremde Mann im Gang räumte seine drei Artikel aus dem Korb und wollte ihn Sonita reichen. "Ich hol mir einen anderen." Er hatte gesehen, wie beladen Sonita mittlerweile war. Oder was hatte er gesehen? Marina war es entgangen gewesen. War sie doch froh, dass die Zahnpasta unterhalb ihrer Augenhöhe sitzend im Rollstuhl war und sie gut greifen konnte. Außerdem beeilte sie sich.

Der fein und kultiviert aussehende Mann mittleren Alters überreichte Sonita seinen Korb. Das war ja mal aufmerksam. Sonita befüllte den Korb, während Marina ihn auf ihren Schoß zog. "Du kannst ihn doch nicht tragen..." "Doch ich zeig Dir wie das geht." Sie klemmte ihre kleine Umhängetasche innen in den Korb zwischen Korbwand und den gewünschten Artikeln. "Siehste, es passt." Sie hatte nicht vorgehabt, so viel zu kaufen, aber mit Sonita war es wirklich einfach und sie konnte ja schon sich so schneller auf Weihnachten vorbereiten, in dem sie Geschenkkäufe vorzog wie diese Bilderrahmen.

"Warum bin ich nicht selbst drauf gekommen?" Der Korb war echt gut auf ihrem Schoß zu händeln. Aber irgendwie hatte sie das in der Eile vergessen. Und so musste der Mann kommen, und ihnen helfen. Es war nicht nur eine freundliche Geste. Es war mehr als das. Aber hatte Marina das gesehen, bevor sie darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Sonita beinahe wie ein Packesel beladen war?

Sonita war für ihr junges Alter schon eine stolze Frau. Die Carpentiers mochten sie und konnten ihr für ihr Studium den ein oder anderen Rat geben,. Sie hatte ihr eigentliches Zuhause in Kamerun zurückgelassen, um diesseits und jenseits der Grenze zu studieren. Und Sonita schätzte den Familienanschluß bei den Carpentiers. Manchmal aß sie mit wenn sie da war, oder sie hatte den alten Mann sehr geschätzt, der bei Marina und Daniel gewohnt hatte und Anfang des Jahres ohne größeres Leiden heimgegangen war.

"Ich vermisse ihn. Er hat immer den Müll getrennt, wenn ich was falsch einsortiert habe." Und noch andere Heimlichkeiten waren ihr nicht fremdgeblieben.

Vielleicht würde es einer der ersten Begegnungen mit dem afrikanischen Kontinent sein, wo Marina nicht als echte Ersatzmama galt. Das war bei Sonitas Vorgängerinnen oder Austauschschülern oft der Fall gewesen. "Ich bin nicht Deine Ma", hatte sie - auch in Hinblick auf ihr eigenes Kind - einmal deutlich gesagt, Mochte das hart und etwas unverständlich auf der anderen Seite des Mittelmeers angekommen sein, aber es war ihr wichtig gewesen.


Und dann griff Marina zu ihrem Gästebuch und fand liebevolle Worte darin.

"Mein Name ist Murielle, ich bin 20 Jahre alt und komme aus Kamerun. Es macht schon zwei Jahre, dass ich bei der Familie Carpentier arbeite. Diese zwei Jahre waren nur Jahre mit Liebe, Freude und Glück. 

Ohne mich zu kennen, hat sie mir die Tür ihres Hauses geöffnet und hat mir vertraut. Ich habe mich nie wie eine Putzfrau gefühlt, aber wie zu Hause mit meiner Mutter.

Ich muss gehen, weil ich ein Austauschprogramm mache und muss nach Metz umziehen. Ich hoffe, dass ich noch hier arbeiten kann, wenn ich zurückkomme.

Danke für alles Mme Carpentiers, für deine Liebe, dein Vertrauen, dein Verständnis und Geduld.

Ich werde ihnen nie vergessen, weil man seine Familie nicht vergisst und sie werden immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Ich liebe Euch. Murielle."


Der Mann im Drogeriemarkt begegnete Sonita und Marina noch mal. Er sah den Korb auf Marinas Schoß. Er war sehr hilfsbereit gewesen. Er sagte: "Hätte mir genauso gehen können..." Er war wirklich gebildet und schien in seinem blauen Wollmantel ganz gut situiert. Aber was genau hatte er gesehen, als er der Kamerunerin und der Rollstuhlfahrerin seinen Korb anbot? Es würde sein Geheimnis bleiben.

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Sonntag, 4. Februar 2024

Göttinnenwind


 

Marina ist traurig. Sie kann nicht ins Kino - weil nicht barrierefrei - und auf Amazon Prime läuft der Film noch nicht. 

Dann ist sie bei Harry and Meghan auf Netflix gelandet.

"Was für ein Quatsch", denkt Marina "Diese Doku..."

"Ich möchte etwas kaputtmachen", Marina ist sauer.

Der 19.Mai, dem Tag der Hochzeit von Meghan und Harry war ein Trauertag für Marina. In ihrer Nachbarschaft wurde geschossen. Ein schlimmes Familiendrama ereignete sich damals. Marina hat Tagebuchnotizen. 

Dieser Glanz, dieser Prunk im Film was für ein Unsinn für Leute, die es nicht schätzen können. Wie diese Meghan, die richtig übertreibt. Marina könnte nicht so leben. Marina dagegen liebte ja den kleinen Luxus.



Marina hat einen wunderbaren Abend mit engen Freunden verbracht. So sein, wie man ist. So sein, wie alles ist. Und die Welt bleibt draußen. Einfach mal stehen bleiben im Moment. Marina hat - dank intelligenter Hilfe - gut gekocht. Ein Fünf-Gänge-Menü serviert.




"Halt", sagt sich Marina. "Mach Dich nicht so wichtig. Sei nicht wie Meghan."

Sie schaut auf ihre weiße Göttin im Garten, die eigentlich die dunkle, die zerstörende ist, damit neues aufgebaut wird. Werden kann.

Meghan und Harry sind wichtig. Sie machen vieles kaputt. Sie nehmen Königin und König von ihrem Glanz. Solange sie nichts Neues, Wertvolles damit machen, wird es nicht so wichtig und wirkt vor allem störend.

Die Göttin ruht in sich. Das ist wichtig. In dunklen Zeiten hat Marina mal ein Seminar über diese Göttin gemacht.

Um kaum eine keltische Sagengestalt ranken sich so viele Mythen und Legenden wie um die dunkle Göttin Morrigan. Das liegt vor allem an ihrer extremen Wandlungsfähigkeit. Die graue Alte, die schöne Verführerin, die dunkle Todesbotin, der schlaue Rabe - in all diesen Wesen finden sich Aspekte von Morrigan. (Jessica Jirschik grüne-Insel.de)

Meghan wollte sich selbst töten, bevor Harry zu handeln und sie aus dem Palastleben mit den stalkenden Paparazzi herauszuholen begann. Für ein neues, ein anderes Leben.

Auch Marina war bereit für Neues. Sie wollte hier und da aufhorchen lassen. Nicht mehr so klein sein. Sie war gerade alleine zu Hause. Aber auch das tat ihr sehr gut. 

"Mach, was Du kannst", sagte ihre innere Stimme zu ihr.

Da war ihre innig geliebte Familie. Und da war viel, wie sie so feststellte. Alles würde sich finden. So wie jetzt. Es sich gefunden hatte. Für diesen Moment.



Der WIND wehte auf das Gesicht der Göttin. Ein Olivenzweig bewegte sich vor ihr und machte sie irgendwie lebendig. Moment, der WIND. Was war damit?

Als an Pfingsten der Heilige Geist auf die Erde kam, tobte ein heftiger Sturm. So berichtet es die Bibel. Auch in vielen anderen Religionen spielt der Wind eine wichtige Rolle. Weltweit glauben Menschen, dass es einen Zusammenhang zwischen Wind, Atem, Geist und Göttern gibt. (Deutschlandfunk "Der Wind weht, wo er will" Abstract zu 23 min )

Hörenswerter Bericht im Deutschlandfunk

Da war es also. Spontan im Internet. Wenn man es denn so sehen wollte. Wind und Pfingsten. Genau, die Hochzeit von Harry und Meghan war an einem Pfingstsamstag. Marina erinnerte sich genau. Auch an das Schlimme in der Nachbarschaft. Der WIND weht, wo er will.

Heute hatte Marina genug für das geistige und spirituelle Leben getan. Nun würde es wieder weitergehen können. In ihrem Alltag.


Mittwoch, 31. Januar 2024

Core dare - Das Herz schenken Jetzt ist die Zeit



Zum Geburtstag, 29.Januar




Perfect in my eyes - REA GARVEY

Paula war nicht auf das Konzert ihres Lieblingssängers REA GARVEY gefahren. Heute ging es ihr nicht gut und am frühen Morgen aufzustehen, um den Tag in Dortmund oder Köln zu verweilen, da war ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht danach gewesen. Für ihren Bedarf  - im Rollstuhl querschnittsgelähmt zu sitzen - , war die Location auch nicht barrierefrei genug. Es gab keinen Aufzug, keine Parkplätze und es fehlte an geeigneten Toiletten. Normalerweise konnte Paula diese Hindernisse immer noch spielend überwinden. Nur heute nicht. 

Raphael war mit seinem frühen Termin im Arbeitsstress und der Verkehr auf der Strecke ließ nichts Gutes erwarten. Die Tage davor waren mit Aktivität ausgefüllt und die danach würden es auch sein. Am Tag zuvor gab es für beide eine Impfung für eine größere Auslandreise.

Während Paula am Ausruhen war, kam der Postbote mit einer Sendung. Darin enthalten war ein kleiner Ausstellungskatalog mit etwa dreissig Seiten. Und ja, er war wie eine Offenbarung. Ein Geschenk wie ein Konzert. Laut und leise wie Musik sprechen die Bilder zu einem. Und dann der Text ...


Kunst ist Lernerfahrung, eine intellektuelle Reise, die uns gelegentlich verstehen lässt, wie klein und miteinander verbunden unsere Lebenswelten - aber auch die Welt als Ganzes - sind.

Kunst und Kultur prägen die menschliche Gemeinschaft und unterstützen dabei neue Perspektiven und Optionen, um sinnstiftende und nachhaltige Lebensformen zu eröffnen. In diesem Sinne möchten die Kunstprojekte am KulturOrt Wintringer Kapelle zukunftsweisende Bilder einspielen die den öffentlichen Diskurs mitgestalten und Impulse für neue Narrative setzen.


Da liegt Paula also richtig. Es ist gewünscht, dass man über diesen Katalog und das Ereignis am Wintringer Hof in der Kapelle spricht. Sie hat erst den Anfang im Katalog gelesen und dann weitergeblättert. Den Schluss nochmal genauer betrachtet.

Da ist die Geschichte der Wintringer Kapelle mit ihren frühen Figuren. Eine Madonna mit Kind um 1480, bekannt als Wintringer Madonna, die heute im Saarlandmuseum zu sehen ist.



Auszug aus dem Katalog Kulturort Wintringer Kapelle 
per annum MMXXIII EX VOTO I Believe in Miracles VERA Loos.


Die kleine Ausstellung ist famous. Frei gründend auf Gedichten von Rainer Maria Rilke hier beispielsweise das Ex voto - Gedicht, einer Novelle des israelischen Schriftstellers Ja'akov Shabtai oder nach Elias Canetti's "Der Ohrenzeuge" sind moderne, nachdenkliche Motive entstanden, die somit hervorragend in die vorhandene Ausstattung passen. Ein rotes Quadrat wird neben den Bogen einer vermauerten Tür gesetzt "um den Nahraum zwischen Liebe und Schmerz" zu thematisieren. Denn für die Malerin VERA Loos gehört der Schmerz zum Wesen der Liebe und muss riskiert werden.

Erst dadurch ist es möglich, sich zu öffnen und zu wahrer Liebe gegenüber den Menschen, der Natur und wohl auch dem Göttlichen überhaupt fähig zu werden.


Katalogauszug S.12 siehe oben, auf Paulas Tisch fotographiert, der noch vom Geburtstag geschmückt war. Die Rosen hatte Raphael ihr geschenkt.

Gleich beginnt das Konzert von REA in Köln. Paulas Arme tun von der Impfung etwas weh. "Love is a good kind of pain" würde REA am Schluß von "Perfect in my Eyes" singen. Und da ist es wieder: die Einbettung des Kleinen in größere Zusammenhänge und Bedeutungen. Wir alleine sind wenig, und zusammen werden wir mehr als das GANZE. So ist es einfach. Paula hat den Katalog in die Hand genommen und einen weiteren größeren Überbau darin erkannt. Und so geht das Zepter oder der Schlüssel weiter von Hand zu Hand und Gedanke zu Gedanke.

Der Gedanke des Guten natürlich. Wenn auch die gemalten Menschen von VERA Loos meist alleine und etwas verloren da stehen. Im größeren Zusammenhang passen sie sich sogar an oder umgekehrt wie hier auf den beiden Fotos.


Kataloginnenseite


Katalogtitel

REA auf der Bühne ist in rot getaucht soviel Paula über Instagram Live-Video sehen konnte. Irgendwie ist seine Gitarre nicht in Ordnung. "Wir dürfen nicht vergessen zu lachen, zu feiern, zu lieben und glücklich zu sein." REA hat klare Botschaften. 

Can't say no - REA GARVEY


Bei VERA Loos geht es gedanklich um den Glauben an Wunder, die Heilige im Stande waren zu tun und Dankbarkeit bei den Beschenkten hervorzurufen und zu zeigen. Beispielsweise in Form von Votivtafeln. Und durch ihre moderne Kunst kann sie eine Verbindung zwischen vergangenen Ritualen und der Gegenwart schaffen, in dem sie sie wieder aufleben lässt. Dabei wirkt ihre besondere Bildsprache subtil, alltäglich. Und das macht diese Ausstellung wiederum so besonders.


Von der Schwelle zum Licht, oder umgekehrt vom Licht über die einstige Schwelle ins Offene. 

Die Spiritualität des einzelnen Menschen ist zu einer Suchbewegung nach dem Wesentlichen, einem Gottesbild, das über die Schwelle des Endlichen tragen kann, geworden. 

Wow, das sind große Worte. Na ja sie stehen ja "nur" in einem Katalog. Es geht nur um eine kleine Kapelle. Nur um ein paar Votivtafeln. Ein paar Gemälde. Aber das ist es ja nicht. Es ist der größere, absolute Zusammenhang und die Wirkung.

Raphaels Wagen rollt am späten Abend an. Es ist Zeit aufzuhören, nachzudenken. Und Kunst zu schauen oder Musik zu hören. Es ist nun  - wie das Credo von VERA im Katalog - Zeit, "das Herz zu schenken." Denn "Jetzt ist die Zeit."


Danke, VERA.

Danke, REA.

Danke für das Herz, ANGELE.

Danke, RAPHAEL.

Für diesen besonderen Abend. 



Donnerstag, 11. Januar 2024

Leere

Leere. Trauer im Haus. Mein geliebter Onkel ist von uns gegangen. R.I.P. 11.1.24

Keine weiteren Socialmedia Worte.

Freitag, 15. Dezember 2023

Luciah - Werkstätten der Liebe



 

Die vorliegende Geschichte

wurde am 16. und 20. Dezember 2005

verfasst

und wieder 

als diesjährige Weihnachtsgeschichte 

ausgewählt

Ganz besonders

den lieben Menschen gewidmet,

die direkt oder indirekt

zum Entstehen der Geschichte

beigetragen haben

 

****** 

Meine Luciah ist eine Erzählerin, ohne dass der Leser allzusehr mit den Umständen ihres Schreibprozesses konfrontiert wird. Sie hat journalistische Erfahrungen seit ihrer Jugend. Durch ihre Fähigkeit, ungewöhnliche Träume zu erleben, ist es ihre Aufgabe, diese und die Träume ihres persönlichen Umfeldes weiterzugeben. Dass sie damit ein ausgefülltes Leben führt,  ist eine der Selbstverständlichkeiten der Figur. Ihr Mann Enrico, in Teilzeit und mit gelegentlich intensiver Projektarbeit beschäftigt, unterstützt sie und übernimmt zeitweise die Betreuung der beiden Kinder. Denn zu dieser Familienidylle gehören die fünfjährige Inge-Katharina und die anderthalbjährige Lena-Nicole.“

                                                 September 2006

 

 

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Heike Maria Zimmermann

 

 


Werkstätten            
der Liebe


Eine etwas andere

Weihnachtsgeschichte

 

 

„Mama, warum hat Gott an Weihnachten denn einen Tsunami geschickt?“

 

Inge-Katharina hatte sich ihre Kinderfrage genau überlegt. Luciah wurde verlegen. Nur wenige Leute konnten sie so direkt fragen wie ihre Kinder. Bisher waren es nur ein paar wenige, die wussten, dass sie in ihren Träumen mit Gott in einem schnellen Ferrari saß und ihn immer fragen konnte. Wenn sie es denn wollte.

Anders als ihre Kinder dachte Luciah aber nicht immer daran, Gott eine solche direkte Frage zu stellen. Vielleicht hätte er ihr direkt geantwortet. Und die Antwort auf eine Frage nach der Ursache einer so schweren Naturkatastrophe für die Menschheit im Jahre 2004 nun doch in dieser Form zu stellen, nein, das hätte Luciah nicht gewagt. Gott und sie sprachen beispielsweise über den Sinn von Aufgaben für die Menschen. Über seine kleine Luciah, über die er  seine Hand hielt, weil er wollte, dass sie ein gutes Leben führte.

Nun ihren Kindern mit ihrem Kinderverstand etwas so Schreckliches erklären zu müssen, wie einen Tsunami und seine Auswirkungen, das fiel ihr doch sehr schwer. Aber da ihre Mädchen mit ihren Fragen nach einem grausamen Jahr der Katastrophen und Naturgewalten nicht locker ließen und ihrer Mutter nur wenig entlocken konnten, ließ sie sich ein Märchen einfallen, das es ihnen erklären konnte. Und das ging so. 

 

 

Es war einmal ein Mädchen. Eines Tages wurde ihm ein Haus geschenkt. Doch das Haus war in keinem guten Zustand und musste daher renoviert werden. Das Mädchen machte sich an die Planung und hatte dabei viele Ideen, wie man die neue Wohnstätte mit ihrem Garten umgestalten könnte. Die Handwerker, denen es Aufträge gab, erschienen aber häufig nicht zu den Terminen. Sie hatten entweder bessere oder leichtere Aufträge oder waren krank. Das Mädchen wartete daher und wartete. Die Arbeit ging einfach nicht voran. Manchmal schrieb es auch böse Briefe. Denn schließlich hörte es, wie andere Bauherren die Handwerker unter Druck setzten.

 

Manchmal verzögerten sich die Arbeiten auch einfach deshalb, weil das Wetter nicht mitspielte oder Material nicht geliefert wurde. Auch dann wartete das Mädchen, aber es wusste dann, dass dies nicht die Schuld der Handwerker war. Es dachte sich, dass die Entscheidung von göttlicher Hand kam, die beschlossen hatte, die Renovierung dauern zu lassen. Und so wurde das Mädchen immer geduldiger.

 

Wenn die Handwerker kommen konnten, versuchte das Mädchen, es ihnen leicht zu machen. Es kochte und verschob seine persönlichen Termine. Auch der Mann des Mädchens wollte, dass es zu Hause blieb und sich um die Baustelle kümmerte. So blieb es zu Hause, damit er ausgehen konnte, um das Geld für die Bezahlung der Handwerker zu verdienen. Der Mann war Psychologe und hatte eine Praxis auf einem Hügel im Norden der Stadt. Das Mädchen wartete weiter und weiter. Doch während es wartete, wurde es immer unruhiger, weil es im Hause mit sich nichts Richtiges anfangen konnte außer warten.

 

Eines Tages dachte es sich: „Wenn ich schon keine Möglichkeit habe, rauszugehen, und etwas zu lernen, so will ich wenigstens in meinem Garten etwas tun.“ Und es fand einen kleinen ausländischen Bauernzwerg, der bereit war, ihm dabei zu helfen. 

 

Der Bauernzwerg legte nach seinen Plänen im Garten ein Gemüsebeet an und pflegte es. Anfangs sprach er überhaupt kein Deutsch. Es war ein schwieriges Unterfangen, ihm erklären zu müssen, dass das Mädchen Karotten, Salat, Bohnen und weitere Gemüsesorten in dem Garten anbauen wollte. Außerdem mussten Kirschen, Aprikosen, Äpfel, Pflaumen und Holunder geerntet und zu Marmelade verarbeitet werden, dann mussten Kirschen, Aprikosen und Pflaumen in Einmachgläsern für den Winter konserviert werden. Der Hühnerstall musste gesäubert, die Kuh und der Wachhund gefüttert werden. All das musste der Bauernzwerg lernen. Schließlich beschloss es, einige Erträge des Gartens auf den Markt zu verkaufen, damit wieder Geld in die Kasse kam, die durch die Handwerker doch arg geplündert worden war. Auch dies war eine Aufgabe für den Zwerg und das Mädchen konnte ihm dabei nicht helfen, weil es ja zu Hause auf den einen oder anderen Handwerker warten musste, damit die Renovierung eines Tages abgeschlossen sein würde.

 

Es ging zwei Sommer und Winter lang gut. Der Zwerg sprach zudem immer besser Deutsch, auf dem Markt konnte immer mehr verkauft werden, weil er und das Mädchen achtsam mit ihrer Arbeit im Garten umgegangen waren und reiche und gute Erträge erzielt hatten.

 

Eines Tages kam der Zwerg jedoch ganz traurig vom Markt zurück. Er zeigte seinen Geldbeutel. „Schau mal“, sagte er. „Die Leute von der Stadt haben mir fast alles abgenommen.“ Wer nämlich auf dem Markt etwas verkaufen wollte, musste an die Stadt jetzt höhere Gebühren zahlen, da sonst der Stadtsäckel bald leer war. „Sie haben mir gesagt, dass es ein neues Gesetz gebe, sagte der Zwerg traurig. Nun reichte das Geld, für das sie den ganzen Sommer gearbeitet hatten, kaum mehr aus, um in den kommenden Wintermonaten die Heizkosten für das Haus des Mädchens und für die Behausung des Zwerges aufzubringen. Der Zwerg und das Mädchen weinten. Sie hatten Angst davor, zu frieren, wie es schon so viele Menschen in der Gegend taten.

 

In der Stadt gab es einen reichen, sehr einflussreichen Mann, der ein großes Haus im Villenviertel besaß. Der tanzte meist im Winter mit schönen Frauen in der heißen Sonne, während er seine Familie in der Kälte zurückließ. Seine Kinder waren darüber sehr traurig und wurden krank. Sie kamen zu dem Mann des Mädchens in die Praxis auf dem Hügel. „Hier“, sagten sie, „das ist ein Bild von unserem Vater.“ Und sie reichten dem Psychologen sein Bild. „Natürlich kenne ich euren Vater“, sagte der Mann. „Jeder kennt ihn.“ „Wisst ihr“, sagte er dann, „euer Vater hat nicht nur euch, sondern auch anderen Menschen Leid angetan.“ Und er versuchte sie zu trösten.

 

Inzwischen hatten sich das Mädchen und der Zwerg Rat geschaffen. Sie verkauften ihre Waren nicht mehr auf dem Markt. Der Zwerg ging jetzt von Haus zu Haus und fragte, ob die Leute etwas gebrauchen können. Ihr Geschäft konnte weiter laufen…

 

Der Mann erzählte am Abend seiner Frau, dass er die Kinder des mächtigen Mannes hatte trösten müssen. Sie hätten ihm leid getan, weil sie jetzt unter den gleichen Problemen zu leiden hatten wie so viele Menschen in dieser Zeit. Da hatte das Mädchen eine herzensgute Idee. Es sagte zu seinem Mann: „Mein Zwerg ist nun ein cleverer Mann geworden, er weiß, wie man hierzulande in den Stromschnellen des Alltags durchkommt und wie man mit ein bisschen Geschick und Fleiß es schafft, zu überleben und dabei gesund zu bleiben.“ Das war in jenen Tagen gar nicht einfach. Der Psychologe hatte immer mehr zu tun, weil immer mehr Menschen hinauf zu seiner Praxis auf den Hügel dicht am Himmel gingen, um seine Hilfe aufzusuchen.

 

Der Mann und das Mädchen schickten daher den Zwerg zu den Kindern des reichen Mannes. Er tat das, was er für das Mädchen getan hatte, jetzt für dessen Familie. – Als der Vater hörte, dass seine Kinder wieder gesund waren und es ihnen gut ging, reute es ihn und er kehrte aus der heißen Sonne zurück.

 

Der Zwerg hatte seine Arbeit getan und der reiche Mann kümmerte sich wieder selbst um seine Familie. Der Zwerg ging daher wieder zurück zu dem Mädchen und half ihm, die Renovierung zu beenden. Dem mächtigen Mann wurde es jedoch schnell langweilig zu Hause, weil er größere Aufgaben gewöhnt war. Also fragte er den Zwerg, ob er nicht wieder bei ihm arbeiten könnte, um auf dem Grundstück seiner Nachbarn, das er gepachtet hatte, einen noch größeren Gemüsegarten anzupflanzen.

 

Das Mädchen ließ den Zwerg wieder ziehen. Dabei hoffte es, dass sein Zwerg eine feste, reguläre Anstellung mit allen Sozialleistungen finden würde, denn dies war in seinem Haus nicht möglich geworden, auch wenn das Mädchen manchmal arg darunter gelitten hatte. Wenn dies nicht der mächtige Mann fertig bringen konnte, wer dann sonst?

 

Der Zwerg musste bei dem Mann schuften und schuften. Doch wie er sich auch abmühte, die Kinder wurden vor dem anstehenden Weihnachtsfest wieder ernstlich krank. Sie merkten, dass ihr Vater, der seine Waren nur auf dem Markt mit den hohen Gebühren anbieten konnte, da er vor seiner Abreise ins Ausland das Gesetz zur Gebührenerhöhung selbst mitgeplant hatte, es ebenfalls nicht schaffen würde, dass es an Weihnachten in ihrer Villa heimelig warm wäre und alle ihre Geschenke bekämen.

 

Unterdessen war das Mädchen dabei, die Arbeiten an der Baustelle voranzutreiben. Wo es nur konnte, packte es nun selbst mit an und bewirtschaftete den Garten so gut es ging alleine. Es pflanzte ein bisschen weniger an, hielt Maß beim Essen und wirtschaftete sparsamer. Je näher das Weihnachtsfest rückte, um so mehr sorgte es sich jedoch, nicht genügend auf dem Tisch für sich und seinen Mann zu haben. Schließlich war es notwendig, dass es seinem Mann zu Hause gut ging, da er ja als Psychologe auch den Villenkindern, wenn sie krank waren, half. Es wollte daher den Zwerg erneut um seine Hilfe bitten und fand ihn bei den Villenkindern und dem Villenmann.

 

Der Zwerg, der nicht vergessen hatte, was er bei dem Mädchen alles gelernt hatte und wie es ihm geholfen hatte, als er noch gar nichts konnte, noch nicht einmal die Sprache, kehrte zu ihm zurück. An die harte Arbeit bei dem Villenmann längst gewöhnt, hatte er aber nicht vergessen, wie gut es ihm bei dem Mädchen ergangen war. Immer hatte es eine neue Idee entwickelt, wie beider Einkommen – wenn auch oft nur in kleinen Schritten – verbessert werden konnte. Sie hatten beide durch Umsicht die Erträge immer ein wenig steigern können. Für seine Rückkehr gab es keinen anderen Grund außer seiner Dankbarkeit und den Gedanken an das bevorstehende Weihnachtsfest, das auch für das Mädchen schön werden sollte.

 

Doch dann rief der mächtige Mann bei dem Mädchen an und beschwerte sich erbost. Seine Arbeit ginge nicht mehr so voran, wie er es wollte. Wie hatte dieses kleine dumme Ding es nur wagen können, ihm s e i n e n Zwerg fortzunehmen! Schließlich war es doch ein Niemand im Vergleich zu ihm. Es hatte keine Kinder und nur ein kleines bescheidenes Haus, es kannte nicht die Copacabana und die großen Hürden, die im Leben zu nehmen waren. Und es arbeitete nicht so viel wie er. Nein, das Mädchen stand nicht bereits – wie er selbst – morgens um fünf Uhr auf, um sich auf seinem Grundstück herumzuplagen. Wie konnte ein solches einfältiges Wesen nur wagen, ihm auf die Füße zu treten!

 

Das Mädchen dachte sich, dass der Mann doch selber schuld sei, wenn er sich so viel aufgehalst habe. Es wurde ihm bewusst, das es für ihn nur eine kleine graue Maus war, die ihre Zeit zu Hause verbrachte und niemals in ihrem Leben für irgendjemand je wichtig war außer vielleicht für ihren Mann und die paar Leute, die sie mit Waren belieferte. Wie auch das Mädchen mit dem Mann zu reden begann, er kam zu keiner Einsicht. Er dachte nur an den Zwerg, den er wieder haben wollte.

 

Da fing das Mädchen bitterlich an, zu weinen. Es war tief verletzt darüber, dass niemand ihre Arbeit über all die langen Jahre gesehen hatte und sie niemand außer dem Zwerg wertschätzte. Und es hörte gar nicht mehr auf zu weinen. Und die Tränen begannen zu fließen und zu fließen. Sie überschwemmten sein ganzes Wohnzimmer, sein ganzes Haus, seinen ganzen Garten, dann die ganze Gegend.

 

Schließlich gelangte das Wasser auch zu dem Mann, der in seiner Villa immer noch wild und gespenstig wegen des Verlusts des Zwerges herumtobte. Seine Kinder waren wieder in die Praxis auf dem Hügel zu dem Psychologen geflüchtet, weil sie es zu Hause nicht mehr ausgehalten hatten. Dann wurde auch der Mann von dem Wasser verschluckt.

 

Der Psychologe bekam jedoch Mitleid mit den Kindern und wollte allen helfen. Es war doch bald Weihnachten, das Fest der Liebe und der gegenseitigen Anerkennung und des Respekts. Und er rief seine Frau an und bat sie, mit dem Weinen aufzuhören.

 

Da dachte das Mädchen: “Wenn ich jetzt wegen der Kinder aufhöre zu weinen, dann wird es für uns alle bestimmt wieder ein so schönes Weihnachtsfest wie früher ... Damals, als es noch warm bei uns war, als ich meinen kleinen Zwerg hatte, die Kinder gesund waren, und der mächtige Mann mit seinen schönen Frauen an der heißen Copacabana weilte ...“ Und da hörte es auf zu weinen.

 

Eine Weile herrschte vollkommene Stille. Die Kinder hatten das Märchen sehr aufmerksam verfolgt. Dann zog die Ältere, eben die kleine Inge-Katharina, ihre Mutter zu sich heran und flüsterte ihr ins Ohr: „Mama, wenn du jetzt ein Teddybär in meinen Armen wärst, ich würde dich nie wieder loslassen.“

 

Und dann wurde es für Luciah und ihre kleine Familie endlich wieder Weihnachten.

Freitag, 12. Mai 2023

Marina - Etwas Glanz im Leben

 

Saarbrücken, 7. Juli 2014

War ein Lied, das hat allen neuen Mut und Kraft verliehen.

Peter Maffay

Text und Musik gecovert von Ric Makkay (youtube)




Sogar der Charleston wurde getanzt. Der Gitarrist spielte einfach wunderbar. Seine Musik hatte das gewisse Etwas. Pep lag darin. Ute erklärte es Marinas Mutter so, als sie sich darauf ausgelassen bewegte: „Das muss bei mir in der Balance sein. Diese zwei Hälften.“ Sie hielt ihre beiden Hände offen vor sich hin. „Ich arbeite hart, also feiere ich auch ausgiebig“. Zu den Flamencoklängen war sie als einer der ersten auf der Bühne, die im Rhythmus der Musik zu tanzen begann. Da war  Ruth aus Peru und Shilpa aus Indien, die Marina von ihrem sicheren Platz am Rande der Terrasse beobachtete. Und Wynnie aus Kenia sowie Stella aus Italien, die erst etwas später dazu kam. Alle hielt es nicht auf den Stühlen. Beim Charleston sah Marina wie die Beine schräg nach außen und nach hinten gingen und die Hände sich an den Oberschenkeln links und rechts  auf und ab bewegten. Die Tanzfläche war auch in der Hand der netten Rosemarie aus Chile und Floca aus Frankreich. Und Marina war trotz ihrer Behinderung dabei und liebte den Klang der Musik,  der alle verzückte.

„Was sind das für hübsche Frauen hier“. Der Peter-Maffay-Cover Sänger aus dem Vorprogramm wunderte sich. Eigentlich war er ein guter Klarinettist, aber irgendwie stand er sich immer selbst ein bisschen im Weg. So hatte er an diesem Samstag verschlafen und kam etwas spät und konnte die Stimmung nicht so anheizen, wie er sich das vorgestellt hatte. Dafür bildete er ein wunderbares Duo mit dem begnadeten Gitarristen, der bereits einen ersten Auftritt am Nachmittag bei einem anderen Fest hinter sich hatte. „Nur noch diese Musiker das nächste Mal“, rief Floca Marina beim Tanzen und voller Begeisterung zu. Es war nicht das erste Fest bei den Carpentiers im Garten. Ach doch, ihre Musik war immer gut ausgewählt bei ihren Festen. Daniel und Marina waren froh, Musiker unter ihren Freunden zu haben.

 

Danke Ric. Für Deine Sonne in der Nacht.

Freitag, 31. Dezember 2021

Lass die Sonne in Dein Herz

"Haben wir alles nur geträumt?" 


        Was für eine Zeit liegt hinter uns. Reich war sie und beschenkt wurden wir. Aber das war nicht alles. Was wir jetzt brauchen, ist das Neue. Neue Kraft für uns alle. Sie wird uns helfen, persönliche Schwierigkeiten bestmöglichst zu bewältigen. Nicht alleine, sondern gemeinsam.



"Du wirst sehen, dass alles gut gehen wird."
"Ich wüsste nicht, wie", meinte Atreju.
"Ich auch nicht". erwiderte der Drache.
"Aber das ist ja gerade das Schöne.
Von jetzt an wird Dir alles gelingen.
Schließlich bin ich ein Glücksdrache."
aus: DIE UNENDLICHE GESCHICHTE



*****

Tagesnotiz 1.1.2022
In #Dubai, im #Paradies, regnet es in Strömen. Niemand ist darauf so richtig eingestellt. Das neue Jahr fängt ja gut an. #Klimawandel #esbetrifftalle



Dienstag, 18. August 2020

Der Buddhist

 

Luciah war wütend. Sehr wütend. Um sich abzureagieren, griff sie zum Telefon. Aber dort wo sie anrief, war niemand da oder hatte keine Zeit. Ihre Mutter hatte ihre eigenen Probleme und war wütend auf andere. Also keine Chance nach ein paar Hiobsbotschaften schnell wieder heil zu werden, oder? Luciah wollte aber ihren Zorn loswerden. So schnell wie möglich, um neue Dinge zu tun, die gut und positiv waren. Es gab ein paar anstehende Sachen. Good Luck. Trotz ihrer negativen Erfahrungen mit Menschen, konnte sie noch was Gutes an diesem Tag erreichen. Aber ihre maßlose Enttäuschung musste einfach weg.

Bei einer Therapeutin auf Instagram hörte sie, es war dieser ähnlich ergangen. Sie wußte, man ließ den Kummer und den Zorn wie einen Gast herein, ließ ihn sich aussprechen und dann wenn es genug war, verabschiedete man diesen wieder.

„Das ist Bewußtmachen durch Aussprechen“, sagte der Buddhist. Luciah hatte die Nummer eines früheren Bekannten gewählt. Er hatte sich viel mit Buddhismus beschäftigt und die Länder Asiens bereist. Durch Corona führte er als Risikopatient nun ein in Deutschland bescheidenes, eher einsames Leben. Er hatte sich ein E-Bike gekauft, mit dem er abends ein paar Kilometer durch die Gegend fahren konnte. Seine Enkelkinder hatte er schon länger nicht mehr gesehen.

Für Luciah war er jetzt genau der Richtige. Seine tägliche Leere fühlte sich mit buddhistischem Gedankengut. „Du musst den Zorn verwandeln…“ sagte er. „Nicht auf die betroffenen Menschen noch projezieren.“ Und „die Menschen brauchen Liebe, Beachtung und Berührung.“ Er sprach von menschlicher Nähe. Diese wurde auch nach langer Zeit der kontaktlosen Zeit zwischen ihm und Luciah spürbar. Luciah hatte sich genug mit dem Buddhismus beschäftigt, um ihn direkt mit den kausalen übergreifenden Zusammenhängen von Handlungen zu verstehen. Aber sie wollte nicht so einfach den Menschen, die sie verletzt hatten, verzeihen. Sie wußte über Karma Bescheid. „Wer Gutes tut, wird Gutes ernten…“ Nun, sie hatte den Menschen Gutes getan und jetzt wo sie sie brauchte, war sie allein.

„Ich hab da ein Gebet von Mutter Theresa, das ich immer wieder verteile.“ Der Buddhist hatte ein Geschenk für sie. Luciah haderte einen Moment, ob es das Richtige für sie sei. Aber in seiner wahren Natur konnte er es nur gut für die hilfesuchende Frau ausgewählt haben.

 

„Der Mensch ist unverstanden, unlogisch und selbstsüchtig.

Es ist nicht wichtig, lieb ihn!

Wenn du nur gute Sachen machst, 

werden sie das an deine selbstsüchtigen Ziele verschreiben.

Es ist nicht wichtig, mach nur gute Sachen.

Wenn du die Ziele erfüllst, 

findest du nur unwahre Freunde und ehrliche Feinde.

Es ist nicht wichtig, erfülle deine Ziele!

Alles Gute, was du macht,

wird morgen vergessen.

Es ist nicht wichtig, sei ehrlich!

Die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit werden dich verletzbar machen.

Es ist nicht wichtig, schaffe es!

Wenn du den Leuten hilfst,

wirst du schlecht vergangen.

Es ist nicht wichtig, hilf ihnen!

Du gibst der Welt das Beste von dir,

sie gibt dir nur Schläge zurück.

Es ist nicht wichtig, gib das Beste von dir.

(steht am Geburtshaus der Mutter Theresa in Mazedonien)


 

Diese Sprache, diese Worte. Wie feuernder Balsam für die geschundene enttäuschte Seele. Mach es trotzdem! Geh weiter!

Eine klare wunderbare Botschaft. Luciah wurde wieder happy. Der Ärger verflog. Nach dem Gespräch aß sie einen Keks vom Gardasee und trank dazu einen Schluck Rotwein. Sie erinnerte sich an den Urlaub, den sie gerade erlebt hatte. Dann klingelte es an der Tür. Der neue Teekocher, den sie sich so bewusst wie möglich ausgesucht hatte, wurde gerade geliefert. Der Zorn war weg und Luciah widmete sich neuem. Die bösen Geister waren gegangen. Neue Gäste konnten kommen. Und der Buddhist würde wieder radeln.



 

Samstag, 2. Juni 2018

Das Café nebenan


Luciah war in der Werkstatt mit ihrem Wagen. Sie musste die Winterreifen wechseln.
"Viel zu spät", dachte sie.
"Na ja macht nichts", beruhigte sie sich.
"Besser spät als gar nicht."
Sie blätterte während des Wartens in den ausgelegten Zeitschriften und trank dabei einen Orangentee. Der Duft stieg in die Nase beim Lesen. 'She's Mercedes' war eine relativ neue Zeitschrift für Frauen, die einen solchen Wagen wie sie fuhren. Luciah fühlte sich dazugehörig, auch wenn sie das Blatt in der aktuellen Ausgabe nicht mehr zugeschickt bekam.
"So ein Exemplar würde ich mir gerne mitnehmen", überlegte sie beim Blättern.
Und einen Artikel darin wollte sie vertiefen und aufheben. Ein Topmodel namens Amber Valletta hatte doch tatsächlich acht nachhaltige Gründe für faire Mode und den Umgang mit einem neuen Modebewusstsein darin veröffentlicht. Luciah staunte und las. War das doch ihr Aufgabengebiet.
Weiter zum Thema Charisma. Weiter zu diesem und jenem interessanten Artikel. Die Mischung hier passte schon.

Und da fand Luciah ihn. Ja, sie hatte davon gehört. Ja, sie wollte lesen über die Einsamkeit, während sie mehrfach ihr Handy in der Hand drehte und immer bereit für neue Nachrichten war. Halt, Manfred Spitzers neues Buch mochte ja stimmen über die Vereinsamung und das Alleinsein im Alter. Luciah wollte doch nicht weiterlesen und die traurig aussehende Frau auf dem Foto betrachten. Nein, sie wollte fröhlich sein.
Sie rief den nun schon sehr betagten Angel an. Angel konnte nicht wissen, warum Luciah gerade heute etwas mit ihm machen wollte.
"Du.", sagte sie.
"Ich bin unterwegs und würde Dich gerne treffen."
"Jaaa", staunte ihr Gegenüber am anderen Ende des Gesprächsverbindung.
"Das freut mich aber."


"Kennst Du ein Cafe in der Nähe, wo wir hingehen können?"
"Ja, da ist ein neues ganz in der Nähe. Es hat vor kurzem erst aufgemacht."
"Nein, nicht zu spät" Luciah triumphierte innerlich. Sie tat das richtige. Und während Angel ihr erklärte, wie sie zu dem neuen Cafe kam, bezahlte sie ihre Rechnung und fuhr los. Stau. Unfall. "Nein, nein, nicht zu spät..." Rechtzeitig, auch wenn es nur langsam voranging.

*
Das Café war aufwendig eingerichtet. Man hatte sich wirklich Mühe gegeben. Überall gab es verschieden farbige Stühle, die auch in Größe und Form variierten. Draußen war es mit einem kleinen Garten eingerichtet mit netten Pflanzen in den Kübeln. Auch Kräuter schauten vor. Mit vielen Holzarbeiten präsentierte sich der außergewöhnliche Ort. Man schaute von seinem Platz auf Schränke mit Inventar zum Schmöckern, Anregen und Kaufen. Das, was auf den Tisch kam, war mehr als ungewöhnlich. So eine Mischung hatte Luciah noch nie gesehen. Basillimonade.
"Probier sie mal".
Luciah hielt Angel ihr Glas hin. Er hatte nur einen einfachen Kaffee aus der Maschine bestellt. Er nippte.
Frisch und Lecker. Mit Basilikum und Ingwer. Aber nur mit einem Schuß davon. Dann der Pistaziencremeeclair mit Mandelstiften. Unbegreiflich fein.
Das Konzept sprach eher junges und internationales Publikum an. Fredrik - so der Name der Lokalität - rief förmlich nach Dänemark und seinem Kronprinzen. Luciah hatte Bilder von Kopenhagen vor kurzem gesehen. Das war ihr eigenes Dänemark hier. Ganz in der Nähe.
"Nein, damit habe ich nicht gerechnet", gestand sie sich ein.
Angels Rollator stand in der Ecke. Er hatte Schwindelgefühle und das Laufgerät gab ihm die notwendige Sicherheit beim Gehen. Nun saß er. Luciah hatte darauf geachtet, dass er den schönsten Sessel bekam.

"Ist doch klar" dachte sie. "Für ihn." Was konnte sie hier alles für ihn tun. Ihm anbieten. War schon etwas anderes als in seiner kleinen Wohnung und der bisherigen Umgebung. Und alles passte zu ihnen. Nein, sie waren nicht immer in dieser verfänglichen Situation gewesen. Sie waren auch gemeinsam auf Reisen gewesen.
Angel hatte sich nicht vorstellen können, jemals weit über die achtzig zu werden.
"Ich dachte immer... Im Jahr 2000 bin ich neunundsechzig. Da muss dann Schluß sein." Er war zu Scherzen aufgelegt bei seiner Aussage und wirkte dabei etwas schelmenhaft.

"Das Café ist ein Geschenk. In einer neuen Zeit. Punkt und fertig." Luciah und Angel waren sich einig.
Und dann unterhielten sich Luciah und der etwas schwerhörig gewordene ehemalige Nachbar über ihre gemeinsamen Themen. Beinahe so wie eh und je. Und sie lachten und freuten sich. In dieser jungen aufwendig und mit Liebe gestalteten neuen Welt für sie beide. Würde einer kommen und sagen, es müsste anders sein?